Bullterrier-Zucht im Angelhofweg? – Ein Beispiel für mangelnde Transparenz?

13.05.2019. Im Amtsblatt des Gemeindeverwaltungsverbandes Schönau findet sich unter Wilhelmsfeld die Bekanntmachung:

„Öffentliche Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt

Mittwoch, 15. Mai 2019, 18.00 Uhr

Tagesordnung:

… 2. Bauanträge

2.1 Flst. Nr. 543 Angelhofweg…“

Eine schöne Information der Öffentlichkeit, schön nichtssagend, aber üblich. Wahrscheinlich ist damit den rechtlichen Vorgaben entsprochen. Aber niemand kann sich hinter dieser Bekanntmachung etwas vorstellen. Ist das beabsichtigt?

Auf Nachfrage wird mir erklärt, es gehe um die Errichtung eines Zaunes von 1,60 Metern Höhe. In dem Wohngebiet ist nur ein Zaun von 1,00 Meter erlaubt. Daher muss man beantragen, dass ein höherer Zaun erlaubt wird. Naja denk ich, da will sich jemand ganz schön einkapseln. Wenn es auf einem Grundstück erlaubt wird, dann haben die anderen im Bebauungsplangebiet das gleiche Recht. Wie wird der Angelhofweg dann in Zukunft aussehen? Geschmacksache?

Ich frage weiter nach bei Gemeinderat Rainer Stüwe. Dort erfahre ich, dass auch er stutzig geworden ist und herausgefunden hat, dass es sich um ein Gemeindegrundstück handelt, das in Erbpacht an eine Frau vergeben wurde, die eine Bullterrier-Zucht betreibt. Soll diese Zucht in ein Wohngebiet verlegt werden, in die Nähe der Kinderkrippe des „Postillion“? Dann wäre die Zaunerhöhung wahrlich notwendig. Denn für Bullterrier gilt:

„Drei Hunderassen – American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pit Bull Terrier – gelten nach der Polizeiverordnung grundsätzlich als besonders gefährlich und aggressiv und damit als Kampfhunde.“ (https://im.baden-wuerttemberg.de/de/sicherheit/polizei/praevention/kampfhundeverordnung/). Die Hunde der Antragstellerin fallen allerdings nicht unter den Begriff „Kampfhunde“, weil sie eine entsprechende Prüfung vor Tierärzten und der Polizei abgelegt haben, davon gehen wir aus.

Die Frage bleibt: Will der Gemeinderat von Wilhelmsfeld grundsätzlich die Zucht von besonders gefährlichen und aggressiven Hunde im Wohngebiet?

Die einzige Möglichkeit des Gemeinderates, das zu verhindern, ist die Ablehnung der Zaunerhöhung. Diese ist nicht nur wegen der gehaltenen Hunde notwendig, sondern auch z. B. damit keine anderen Hunde, eindringen können?

Ein Beispiel:

„Für eine Hundebesitzerin aus Sandhausen wurde dieses Schreckensszenario Realität. Wie berichtet wurde ihr Terrier „Enzo“ am Samstagmorgen von zwei Artgenossen angefallen. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um einen Dogo Argentino und einen Staffordshire-Mix handelt. Beide werden in Baden-Württemberg als Kampfhunde geführt – oder besser gesagt: als Listenhunde der Kategorie 2.“ (RNZ 19.07.18)

Nebenbemerkung: Bullterrier sind Listenhunde der Kategorie 1, also als noch gefährlicher eingestuft.

Alle anderen Schritte zur Zulassung einer Hundezucht nach der Kampfhundeverordnung liegen außerhalb der Zuständigkeit des Gemeinderates, in diesem Fall des zuständigen Ausschusses.

Bisher ist die Bullterrier-Zucht in der Richard-Wagner-Str. angesiedelt, am Ortsrand, in einem Mischgebiet. Häufig sind an unserem Haus die Hunde immer an der Leine und immer im entsprechenden Abstand entlanggeführt worden. Die Schönheit der Tiere ist Geschmacksache, aber wir lieben ja auch alle unsere Kinder. Die Hunde zeigten niemals die geringsten Anzeichen von Aggression. Trotzdem war bei mir ein ungutes Gefühl. Ich wäre persönlich nicht traurig, wenn der Standort der Bullterrier-Zucht verlegt würde. Aber nicht in ein Wohngebiet in unmittelbarer Nähe einer Kinderkrippe, das halte ich für absolut unverantwortlich.

Ich appelliere an die Mitglieder des Ausschusses, die scheinbar harmlose Zaunerhöhung abzulehnen.

Außerdem hoffe ich, dass der neugewählte Gemeinderat es erreichen kann, dass die Verwaltung nicht nur der minimalen Informationspflicht nachkommt, sondern die Vorgänge transparent macht, so dass Normalmensch verstehen kann, um was es geht.

Gottfried Türk, 1. Vorsitzender der GIW, Altgemeinderat

Die Grüne Initiative Wilhelmsfeld hat ihre Kandidat*innen aufgestellt

Die Grüne Initiative Wilhelmsfeld (GIW) hat ihre Kandidat*innen für die Gemeinderatswahl 2019 nominiert.

In Wilhelmsfeld leben, heißt leben nah an der Natur. Das zu erhalten und gestalten ist ihre  Motivation. Es kommen entscheidende Jahre auf den Luftkurort zu, für viele Probleme müssen Lösungen gefunden werden. Da ist Kreativität und Lebenserfahrung gefragt.

Dieser Verantwortung wollen sich im Gemeinderat stellen:

Platz  
1Rainer Stüwe
2 Ingrid Junghans
3 Dominik Wallner
4 Barbara Türk
5 Adrian Gärtner
6 René Roser 
7 Piero Ravera
8 Daniel Herbold
9 Michaela Verres
10 Monika Rieger
11 Jonathan Thieme
12 Ritta Retzlaff
13 Susanne Wallner
14 Inge Belle
15 (Ersatz) Dr. Michael Mürmann

Es müssen neue Wege gegangen werden, sonst können die Bedingungen für Mensch und Natur nicht erhalten, schon gar nicht weiter verbessert werden.

Gottfried Türk