Silberreiher (Casmerodius albus)

Silberreiher (Casmerodius albus) am Gartenteich

Silberreiher am Gartenteich
(Foto: Johannes Fink, Heiligkreuzsteinach, 22.03.2013)
 

Gelegentlich bekommt man im Steinachtal Tiere zu sehen, die man bei uns, zumal in einer Höhe von knapp 500 m über dem Meer, wirklich nicht erwarten würde. Nicht schlecht gestaunt haben wir daher, als uns kürzlich ein Foto erreichte, dass einen Silberreiher (Casmerodius albus) an einem Folienteich in Heiligkreuzsteinach zeigt. Der schneeweiße Vogel hatte sich möglicherweise von einer Reiher-Attrappe aus Plastik anlocken lassen.

Anders als der bekannte Graureiher (Ardea cinerea) ist der Silberreiher in Deutschland als Brutvogel noch unbekannt, lediglich in Mecklenburg-Vorpommern gelang 2012 ein erster deutscher Brutnachweis. Dennoch kann man Silberreiher ab August in den Schilf- und Auwaldbereichen der Rheinebene, aber auch auf Äckern, Wiesen und an Gräben regelmäßig beobachten. Diese Vögel kommen aus ihren Brutgebieten in Südosteuropa sowie in Polen, Ungarn und der Ukraine zu uns, um den Winter in den gemäßigteren Zonen Westeuropas zu verbringen. Wenn es auch dort zu kalt und die Jagd nach Mäusen zu schwierig wird, weichen die Vögel weiter nach Süden aus. Im Spätwinter und Frühjahr fliegen die Silberreiher zurück zu Ihren Brutkolonien, wo sie ihre Nester dicht gedrängt am Grund schwer zugänglicher Röhrichtbestände anlegen.

Gefährdet ist die Art glücklicherweise nicht, im Gegenteil, europaweit wird derzeit ein Bestandswachstum und eine Ausdehnung der Brutverbreitung beobachtet.

Silberreiher (Casmerodius albus) in der Wagbachniederung

Silberreiher in der Wagbachniederung
(Foto: Jochen Schwarz, 04.04.2013)

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 05, 20.01.2016, S. xx

 

Landkärtchen (Araschnea levana)

Landkärtchen (Araschnia levana), Unterseite

Landkärtchen (Araschnia levana), Unterseite
(Foto: Jochen Schwarz, Altenbach, 25.04.2015)
 
 
 

In dieser Woche möchten wir einen Schmetterling vorstellen, dessen Bestimmung immer wieder Probleme bereitet, obwohl er eigentlich gar nicht mal so sehr selten bei uns ist. Mit etwas Glück und in blütenreichen Gärten kann man das Landkärtchen (Araschnia levana) aus der Familie der Edelfalter durchaus hin und wieder zu Gesicht bekommen. Das Problem der Bestimmung beruht darauf, dass die Art in zwei Generationen fliegender Falter auftritt, d.h. es gibt eine Frühjahrs- und eine Sommergeneration. Diese unterscheiden sich so stark voneinander, dass man zunächst tatsächlich meinte, es handele sich um zwei verschiedene Arten. Ursache für die unterschiedliche Färbung ist die Tageslänge, während der kürzeren Tage im Frühjahr entwickeln sich aus den Raupen die heller gefärbten Falter. Die Tiere, die im Hochsommer fliegen, sind dagegen fast schwarz mit einem Band weißer Flecken, wie die beiden Oberseitenfotos hier deutlich zeigen. Sie sind zudem etwas größer.

Die schwarzen Raupen des Landkärtchens tragen verästelte Dornen und ernähren sich nahezu ausschließlich von Brennnesseln, auf denen sie gerne gesellig leben. Man kann die ökologische Bedeutung dieser Pflanze, die auch für viele andere Tagfalter als teils alleinige Nahrungspflanze dient, gar nicht hoch genug einschätzen, insbesondere, wenn sie gerade frisch am Aufwachsen ist.

Landkärtchen (Araschnia levana), Frühlingsform

Landkärtchen (Araschnia levana), Frühlingsform
(Foto: Jochen Schwarz, Altenbach, 25.04.2015)

Landkärtchen (Araschnea levana), Sommerform

Landkärtchen (Araschnea levana), Sommerform
(Foto: Jochen Schwarz, 18.06.2011)

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 04, 20.01.2016, S. xx

Blaue Prachtlibelle (Calopteryx virgo)

Blaue Prachtlibelle (Calopteryx virgo), Männchen

Blaue Prachtlibelle (Calopteryx virgo), Männchen
(Foto: Karl Schmelzer, Altneudorf, 15.07.2015) 
 

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In der vergangenen Woche wurde uns das Foto einer Libelle aus Altneudorf zugeschickt, das wir hier sehr gerne vorstellen möchten. Das Foto aus dem Juli 2015 zeigt eines der wohl schönsten Insekten überhaupt, nämlich eine Blaue Prachtlibelle (Calopteryx virgo). Die dunkle, je nach Lichteinfall von Blau über Blaugrün nach Grün wechselnde Färbung der männlichen Tiere rechtfertigt durchaus den Namen der Familie der „Prachtlibellen“ (Calopterygidae), zu der bei uns mit der Gebänderten Prachtlibelle (C. splendens) nur noch eine weitere Art gehört. Die Weibchen der Blauen Prachtlibelle haben glänzend braune Flügel und unterscheiden sich dadurch klar von den Männchen.

Die Art lebt an Fließgewässern mit niedrigen Wassertemperaturen, überwiegender Beschattung und mäßig starker Wasserströmung. Sehr wichtig ist, dass diese Gewässer und ihre Uferbereiche weitgehend naturbelassen und sauber sind. Mit diesen Ansprüchen an ihren Lebensraum nehmen Prachtlibellen es sehr genau. Einleitungen von nährstoffreichem Oberflächenwasser aus der Landwirtschaft oder von Haushaltsabwasser in Gräben, Bäche und Flüsse führen unweigerlich zum Verschwinden der Art, weil durch die biologischen Abbauprozesse der Sauerstoffgehalt im Wasser schnell unter das für die Prachtlibellen erforderliche Maß abgesenkt wird. In Deutschland ist die Blaue Prachtlibelle wegen des überall starken Verlustes geeigneter Lebensräume auf der Roten Liste und darin in der Kategorie 3 „gefährdet“ gelistet. Nur im Saarland und in Baden-Württemberg gilt sie noch als ungefährdet.

 

Paarungsrad der Blauen Prachtlibelle (Calopteryx virgo)

Paarungsrad der Blauen Prachtlibelle (Calopteryx virgo)
(Foto: Jochen Schwarz, Schriesheim, 04.06.2015)

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 03, 20.01.2016, S. 40

 

 

Eichhörnchen (Sciurus vulgaris)

Eichhörnchen (Sciurus vulgaris)

Eichhörnchen (Sciurus vulgaris)
(Foto: Jochen Schwarz, Wilhelmsfeld, Köhlerwaldweg, 10.03.2013)

Das neue Jahr beginnen wir in unserer Reihe zu den Naturschätzen im Steinachtal mit einem eher häufigen Tier. Das Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) hält jetzt im Januar eigentlich Winterruhe – keinen Winterschlaf, und übersteht so die kalte Jahreszeit mit stark eingeschränktem Energiebedarf. Bei der noch immer vergleichsweise milden Witterung dieses Winters können wir sie aber noch regelmäßig in unseren Gärten beobachten, wie sie sich mit reichlich von freundlichen Menschen ausgelegten Nüssen und mit Vogelfutter versorgen. Aber auch die im vergangenen Sommer und Herbst selbst vergrabenen Nüsse werden dann wieder ausgegraben. Die Nase der Eichhörnchen ist sehr empfindlich. Mit ihr können die Tiere ihre Nahrung noch tief unter dem Schnee riechen und dabei auch gleich prüfen, ob die Nuss überhaupt noch genießbar ist, oder ob sich das Ausgraben gar nicht mehr lohnt.

Eichhörnchen fressen im Frühjahr und Sommer aber auch gerne Eier und Jungvögel. Wer verhindern will, dass den Nagetieren auch die Brutvögel in den Nistkästen im eigenen Garten zum Opfer fallen, der leert und reinigt jetzt die Boxen. Dann bauen die Vögel ihr neues Nest zur Brutzeit nicht einfach auf das alte Nistmaterial oben drauf, wodurch Eier und Jungvögel gefährlich nah ans Flugloch gelangen und so von den Eichhörnchen leicht erreicht werden können.

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 02, 2016, S. 44

Bergfink (Fringilla montifringilla)

Bergfink (Fringilla montifringilla)

Bergfink (Fringilla montifringilla)
(Foto: Jochen Schwarz, Wilhelmsfeld, Köhlerwaldweg, 06.04.2013)

Alljährlich bekommen wir im Steinachtal Besuch von Skandinaviern und Russen. Gelegentlich fallen sie dann scharenweise in unsere Gärten ein und bedienen sich großzügig an unseren Futterhäusern. Gemeint sind an dieser Stelle Vögel, genauer Bergfinken (Fringilla montifringilla), die im Norden Europas brüten und in Mitteleuropa überwintern. Sie sind mit unseren Buchfinken eng verwandt, dabei aber etwas größer und – insbesondere im Spätwinter und Frühjahr – farbenfroher im Gefieder als diese. In den Wäldern ernähren Sie sich zumeist von Bucheckern, an den Futterhäusern lassen sie sich aber auch andere Sämereien schmecken, wie das abgebildete Männchen an einem Futterhaus im Köhlerwaldweg. Bergfinken bilden auf dem Zug zuweilen riesige Schwärme, die manchmal mehrere Millionen Tiere umfassen. Solche Schwärme sind immer ein grandioses Naturschauspiel.

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 51/52, 2015, S. 60

Tintenfischpilz (Clathrus archeri)

Tintenfischpilz (Clathrus archeri

Tintenfischpilz (Clathrus archeri)
(Foto: Doris Schmidt-Glanzmann, Wilhelmsfeld, Bergstraße, 10.10.2008)

Neubürger gibt es nicht nur unter den Menschen. Auch in der Natur werden bei uns gelegentlich Arten entdeckt, die aus anderen Regionen der Erde zu uns gekommen sind. Der leuchtend rote und sehr charakteristisch gebaute Tintenfischpilz (Clathrus archeri) gehört zu diesen Neubürgern. Er stammt ursprünglich aus Australien, Neuseeland und den Malayischen Inseln, von wo er etwa 1913 vermutlich mit Militärtransporten nach Europa kam. Er ist ungiftig, jedoch nicht zum Verzehr geeignet. Der ausgeprägte Aasgeruch und irgendwie ja auch die sonstige Erscheinung lassen ihn zudem nicht gerade appetitlich erscheinen. Mistkäfer und Aasfliegen sehen das bekanntermaßen anders und lassen sich daher gerne auf dem Pilz nieder. Sie sind es auch, die die Pilzsporen verbreiten und so für die weitere Verbreitung der Art in Mitteleuropa sorgen. Das hier abgebildete Exemplar wurde schon vor einigen Jahren in der Bergstraße in Wilhelmsfeld im Garten fotografiert.

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 51/52, 2015, S. 60

Bergmolch (Ichthyosaura alpestris)

Bergmolch (Ichthyosaura alpestris)

Bergmolch (Ichthyosaura alpestris)
(Foto: Jochen Schwarz, Wilhelmsfeld, Köhlerwaldweg, 17.11.2015)

Noch bis in den November hinein hat der diesjährige Herbst mit seinen milden Temperaturen die Beobachtung von Bergmolchen (Ihthyosaura alpestris) in unseren Gärten ermöglicht. Als typischer Bewohner von gewässerreichen Wäldern in hügeligen bis bergigen Landschaften ist er der häufigste Molch in unserer Gegend. Um ihn eindeutig von anderen Molcharten unterscheiden zu können, muss man sich die Bauchseite ansehen. Im zentralen Bereich ist die orangene Hautpartie ungefleckt. Der Bergmolch ist ein nachtaktiver Jäger, der auch in parkähnlichem Gelände und naturnahen Gärten zu finden ist. Zu seiner Nahrung gehören Regenwürmer, Insekten und andere Wirbellose des Bodenlebens. Die Eiablage findet in kleinen Gewässern wie Waldtümpeln und -seen, aber nicht selten auch in Kleinstgewässern, etwa in Form wassergefüllter Wagenspuren, statt.

 

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 50, 2015, S. 44

 

Königskerzen-Mönch (Cucullia verbasci)

Königskerzen-Mönch (Cucullia verbasci)

Königskerzen-Mönch (Cucullia verbasci)
Foto: Doris Schmidt-Glanzmann, Wilhelmsfeld, Bergstraße, 05.06.2015)

In dieser Woche erhielten wir freundlicherweise ein Foto von einer Raupe, welche die Finderin in ihrem Garten in der Bergstraße auf einer Wollkraut-Pflanze, auch bekannt als Königskerze, fotografiert hatte. Es handelte sich dabei um die Raupe des Königskerzen-Mönchs (Cucullia verbasci) aus der Familie der Eulenfalter. Wie der wissenschaftliche Name schon verrät, leben die Raupen auf verschiedenen Verbascum-, d.h. Königskerzenarten – und das gerne gesellig, also zu mehreren. Gelegentlich hat man sie auch schon an Schmetterlingsflieder fressend beobachtet. Die erwachsenen Nachtfalter sind mit ihrer bräunlichen Färbung im Gebüsch hervorragend getarnt und daher schwer zu finden. In der Nacht kommen sie aber gerne auch an künstliche Lichtquellen. Ihre Hauptflugzeit liegt etwa zwischen Mitte April und Mitte Juni.

 

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 50, 2015, S. 43

 

 

Oecophora bractella (Faulholzmotte)

Oecophora bractella (Faulholzmotte)

Oecophora bractella (Faulholzmotte)
(Foto: Jochen Schwarz, Wilhelmsfeld, Kleiner Philosophenweg, 28.06.2014)

Ein ganz besonderer Juwel unserer Wälder ist Oecophora bractella, ein nur etwa 10 mm große Kleinschmetterling aus der Familie der Faulholzmotten, für den es leider keinen deutschen Namen gibt. Er ist aufgrund seiner besonderen Färbung unverwechselbar – wenn man ihn denn erst einmal entdeckt hat. Besonders schön sind auf den Vorderflügeln die blaumetallischen Schuppen, die aber nur bei bestimmten Lichtverhältnissen so sichtbar sind wie in diesem Foto. Man findet ihn in Laubwäldern und Parks an abgestorbenem Bäumen und an Polterholz, so wie hier auf einem Buchenstammpolter am Kleinen Philosophenweg bei Wilhelmsfeld.

 

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 49, 2015, S. 40

Grüner Backenläufer (Drypta dentata)

Grüner Backenläufer (Drypta dentata)

Grüner Backenläufer (Drypta dentata)
(Foto: Jochen Schwarz, Wilhelmsfeld, Oberer Langerain, 23.02.2014)

Heute möchten wir von einem seltenen Fund aus dem letzten Jahr berichten. Am 23. Februar 2014, einem schon deutlich frühlingshaften Spätwintertag wurde an einem sonnigen Südhang in Wilhelmsfeld unter der Rinde eines liegend verrottenden Apfelbaums ein Grüner Backenläufer (Drypta dentata) gefunden. Dieser recht seltene Käfer mit seinen eleganten, türkisgrünen Flügeldecken (Elytren) gehört zur Familie der Laufkäfer und überwintert gern unter der Rinde abgestorbener Weiden und Obstbäume. Streuobstwiesen und ähnliche extensiv genutzte Obstbauflächen bilden denn auch den bevorzugten Lebensraum dieser wärmebedürftigen Art. In Deutschland ist der Backenläufer aktuell auf die südwestlichen Bundesländer Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg beschränkt.

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 49, 2015, S. 40

Buchen-Kahneule (Pseudoips prasinana)

Buchen-Kahneule (Pseudoips prasinana)

Buchen-Kahneule (Pseudoips prasinana), Männchen
(Foto: Jochen Schwarz, Wilhelmsfeld, Köhlerwaldweg, 07.06.2004)

Die Buchen-Kahneulen (Pseudoips prasinana), hier ein Männchen mit rotem Flügelrand, gehören zur Familie der Eulenfalter und fliegen von Anfang Mai bis Ende Juli. In der Zeit kommen sie dann nicht selten auch an künstliche Lichtquellen. Mit ihren leuchtend grünen Flügeln, sind sie dann ein lebender Beweis dafür, dass auch Nachtschmetterlinge leuchtende Farben haben und dem aufmerksamen Beobachter genauso viel Freude wie jeder Tagfalter bereiten können. Die Flügel werden typischerweise in Dachstellung gehalten. Die Raupen, die man von Juni bis September finden kann, leben auf Laubbäumen und Sträuchern. Sie bevorzugen dabei Buchen, Birken, Eichen, Haseln und Esskastanien.

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 48, 2015, S. 39

Grünspecht (Picus viridis)

Grünspecht (Picus viridis)

Grünspecht (Picus viridis), Männchen
(Foto: Jochen Schwarz, Wilhelmsfeld, Köhlerwaldweg, 22.11.2015)

Einer der lautstärksten Gartenvögel bei uns ist sicher der Grünspecht (Picus viridis). Seine markanten Reviergesänge, die wie ein lautes Lachen („kjü-kjü-kjü“) klingen, hat vermutlich jeder schon einmal gehört. Der Grünspecht ist ein Erdspecht, d.h. er sucht und findet seine Nahrung nicht wie etwa der Buntspecht an Baumstämmen, sondern zumeist auf Wiesen, Weiden und in Gärten, wo er in selbst gebohrten Löchern mit seiner ca. 10 cm langen Zunge Ameisen erbeutet. Der Grünspecht bleibt übrigens auch im Winter bei uns. Das bedeutet, dass er in dieser Jahreszeit wenn nötig auch unter dem Schnee seine Nahrung suchen muss, wie sich heute (22. November) schön beobachten ließ. Wenn möglich spart sich der Grünspecht das Anlegen eigener Bruthöhlen. Viel lieber nehmen sie die von anderen Spechten zurückgelassenen Höhlen in Beschlag. Ein enger Verwandter des Grünspechts ist der sehr ähnliche aber deutlich seltenere Grauspecht. Der kommt auch in Wilhelmsfeld vor. Wir werden ihn in einer späteren Folge an dieser Stelle vorstellen.

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 48, 2015, S. 39

Achateule (Phlogophora meticulosa)

Achateule (Phlogophora meticulosa)

Achateule (Phlogophora meticulosa)
(Foto Iris Lippert, Wilhelmsfeld, Kohlhofweg, 16.03.2015)

Die Achateule (Phlogophora meticulosa) ist ein Nachtfalter aus der Familie der Eulenfalter. Wie der in der letzten Woche vorgestellte Admiral-Falter ist auch sie ein Wanderfalter. Früher dachte man, die Art sei nördlich der Alpen gar nicht bodenständig verbreitet. Inzwischen hat man aber überwinterte Raupen auch in Deutschland gefunden. Trotzdem fliegen im Sommer Achateulen auch aus dem Mittelmeerraum bei uns ein. Sie können dann nicht selten auch in Gärten, Wäldern und Stadtgebieten beobachtet werden. Die Nahrung der Raupen bildet – ähnlich wie beim Admiral – u.a. die Brennnessel, aber auch Sauerampfer, Farne und Weiden. Typisch für die Achateule ist neben der markanten V-Zeichnung, dass sie die Flügel oft längs leicht einfaltet, wodurch sie noch mehr einem trockenen Blatt ähnelt.

 

 

 

 

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 47, 2015, S. 36

Zauneidechse (Lacerta agilis)

Zauneidechse (Lacerta agilis)

Zauneidechse (Lacerta agilis)
(Foto Barbara und Klaus Queck, Wilhelmsfeld, Bergstraße, 13.04.2014)

Zauneidechsen (Lacerta agilis) sind wie alle Reptilien wärmebedürftig. Um sich morgens nach einer kühlen Nacht aufzuwärmen, lieben sie es, erst einmal ein Sonnenbad zu nehmen. Wir können Sie dann mit etwas Glück auch bei uns in den Gärten beobachten, wo sie gerne steinige Strukturen nutzen, die einerseits von unten wärmen und andererseits Spalten und Höhlen als Verstecke bieten. Die Nahrung besteht aus Insekten, Spinnen und Regenwürmern. Zauneidechsen werden alljährlich aus allen Teilen Wilhelmsfelds gemeldet, wie auch dieses an der leuchtend grünen Färbung erkennbare Männchen vom April 2014. Da sie gemäß der FFH (Fauna-Flora-Habitat)-Richtlinie der EU europaweit strengsten Schutz genießen, müssen sie in der kommunalen Bauleitplanung besonders berücksichtigt werden.

 

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 47, 2015, S. 36

Admiral (Vanessa atalanta)

Admiral (Vanessa atalanta)

Admiral (Vanessa atalanta)
(Foto: Jochen Schwarz, Wilhelmsfeld, Köhlerwaldweg, 02.11.2015)

Die letzten warmen und sonnigen Tage des Jahres, von denen wir zurzeit noch einige genießen dürfen, bescheren uns auch noch einige schöne Schetterlingsbeobachtungen. Wie diesen Admiral (Vanessa atalanta), der sicher vielen Lesern bekannt sein wird. Der Admiral gehört zu den sogenannten Wanderfaltern, wobei hier aktuell von der Wissenschaft spannende Veränderungen beobachtet werden. Bis vor wenigen Jahren noch flogen Admiral-Falter aus dem Mittelmeergebiet nach Mitteleuropa ein. Das ist heute nicht mehr der Fall. Vielmehr ziehen Falter aus unserem Gebiet heute nordwärts bis nach Südskandinavien – und im Herbst wieder in ihr Überwinterungsgebiet in Südwestdeutschland zurück(!). Admiräle, die wir also in diesen Tagen noch auf unseren Astern im Garten Nektar saugen sehen, sind möglicherweise vor Kurzem noch in Schweden gewesen. Was für eine grandiose Flugleistung! Admiräle ernähren sich bei uns als Raupen ausschließlich von Brennnesseln – wer mag, lässt daher vielleicht immer auch einige davon im Garten oder am Wegrand stehen …

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 46, 2015, S. 42

Goldgruben-Eichenprachtkäfer (Chrysobothris affinis)

Goldgruben-Eichenprachtkäfer (Chrysobothris affinis)

Goldgruben-Eichenprachtkäfer (Chrysobothris affinis)
(Foto: Iris Lippert, Wilhelmsfeld, Kohlhofweg, 11.06.2014)

Im Juni 2014 wurde im Kohlhofweg ein Exemplar des Goldgruben-Eichenprachtkäfers (Chrysobothris affinis) fotografiert und uns zur Bestimmung weitergeleitet. Dieser nicht allzu oft gefundene Käfer erreicht eine Länge von ca. 15 mm und gehört zur Familie der Prachtkäfer, die generell in Baden-Württemberg unter Schutz steht. Grund für die Gefährdung ist nicht zuletzt die Schönheit vieler Arten, die mit ihren farbenfrohen Flügeldecken bei Sammlern zum Objekt der Begierde werden. Daher sind mehrere der heimischen Prachtkäferarten leider bereits ausgestorben. Einzelne Arten können aufgrund ihrer Ernährung im Wald- und Obstbau schädlich werden, wenn sie in großen Beständen auftreten.

 

 

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 46, 2015, S. 42

Großer Schillerfalter (Apatura iris)

Schillerfalter (Apatura iris)

Großer Schillerfalter (Apatura iris)
(Foto: Gerlinde Seidel, Heddesbach, auf einem Waldweg am Ortsrand, 09.07.2015)

Anfang Juli erhielten wir ein Foto eines in unserer Gegend eher seltenen Fundes, nämlich eines Großen Schillerfalters (Apatura iris). In der Umgebung von Heddesbach wurde der Schmetterling auf einem sonnenbeschienenen Waldweg angetroffen. Mit bis zu 65 mm Flügelspannweite gehört die Art zu den großen Vertretern unserer Schmetterlingsfauna. Lebensraum des Großen Schillerfalters sind lichte Auwälder und Laubmischwälder. Wichtig ist dabei das Vorhandensein von Weiden und Pappeln, welche als Futterpflanze für die Raupen unverzichtbar sind. Die Hauptgefährdung für diesen wunderschönen Schmetterling ist denn auch die fortschreitende Beseitigung von Weiden und anderen Weichholzarten in unseren Forsten.

 

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 45, 2015, S.44

Vierfleck-Libelle (Libellula quadrimaculata)

Vierflecklibelle (Libellula quadrimaculata)

Vierflecklibelle (Libellula quadrimaculata)
(Foto: Dr. Boris Hoffarth, Wilhelmsfeld, Köhlerwaldweg, 04.06.2015)

Dass die kleinen künstlichen Teiche, die in Wilhelmsfelder Gärten angelegt werden, tatsächlich schöne Naturbeobachtungen ermöglichen, zeigt das Foto einer Vierfleck-Libelle (Libellula quadrimaculata), das uns zur Bestimmung zugemailt wurde. Die Libelle ist relativ häufig, aber deswegen nicht weniger interessant. Die Imagines, also die Tiere in der flugfähigen Lebensphase, ernähren sich vorwiegend von Mücken. Die Flugzeit erstreckt sich von Ende April bis Ende August. Bei Wikipedia finden sich spannende Berichte über atemberaubende Massenwanderungen der Vierfleck-Libelle, die unter den Libellen der Erde unerreicht sind.

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 45, 2015, S.44

Balkenbohrer (Calopus serraticornis)

Balkenbohrer (Calopus serraticornis)

Balkenbohrer (Calopus serraticornis)
(Foto: Jochen Schwarz, Wilhelmsfeld, Köhlerwaldweg, 15.04.2015)

Ein schöner, weil recht seltener Käferfund gelang am 15. April 2015 in Wilhelmsfeld. An einer beleuchteten Hauswand wurde ein sogenannter Balkenbohrer (Calopus serraticornis) entdeckt. Der deutsche Name klingt etwas gefährlich, die Käfer sind es aber in keinster Weise. Die Larven leben im Totholz von Laub- und Nadelbäumen, aber aus Gebäuden sind weder sie noch die Käfer als Schädlinge bekannt. Mit einer Körperlänge von ca. 2,5 cm plus den auffällig gesägten Fühlern sind sie die größten Vertreter ihrer Familie, den Scheinbockkäfern. In Baden-Württemberg steht die Art auf der Roten Liste mit Status „Gefährdet“.

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 44, 2015, S. 42

Balkenbohrer in der Seitenansicht

Balkenbohrer in der Seitenansicht

Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens)

Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens)

Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens)
(Foto: Jochen Schwarz, Wilhelmsfeld, Köhlerwaldweg, 06.09.2014)

Dass Wilhelmsfeld in einer wärmebegünstigten Region Deutschlands liegt, wird auch an einem zoologischen Fund wie diesem deutlich. Es handelt sich um die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens). Im Ruhezustand sind die wärmebedürftigen Tiere auf Schotterflächen und ähnlich ausgeprägten Wegen und Straßen mit ihrer Tarnfärbung nahezu unsichtbar. Im Flug aber leuchten die Hinterflügel wunderschön himmelblau. Die Art ist in ganz Europa geschützt und wird in der Roten Liste Deutschlands als gefährdet eingestuft.

 

 

Veröffentlicht im Amtsblatt OVV Schönau, Nr. 44, 2015, S. 42