In Zeiten, in denen über Wirtschaftskrisen geklagt wird und in denen das Sparen und sich Mäßigen als starke Tugenden gelten, entsteht in den meisten von uns der Eindruck von Armut und Bedürftigkeit. Also nicht nur für die einzelnen Menschen, sondern sogar für ein ganzes Land. Also, dass es uns schlecht geht und wir nichts haben.
Das ist so nicht richtig, denn ich denke, dass wir in Deutschland und im Odenwald über eine großartige Lebensgrundlage verfügen können.
Vorweg, ich möchte keine sozialistische Diskussion über die falsche und richtige Gesellschaftsform vom Zaun brechen, sondern unser Augenmerk erstmal darauf lenken, was uns wohlhabend macht und uns seit Generationen als gute Lebens- und Kulturgrundlage dient.
Das ist die Allmende oder das Gemeingut.
Folgenden Satz zitiere ich aus Wikipedia:
Der alte deutsche Rechtsbegriff „Allmende“ bezeichnet ein Gemeinde-Eigentum, dessen Nutzung allen Mitgliedern einer Gemeinde zur Verfügung steht.
Erstmal ist es erfreulich, dass ich einfach aus einem Lexikon einen Text weiterverwenden darf, ohne um Erlaubnis fragen zu müssen, Gebühren zu bezahlen oder Angst vor Rechtsverfolgung haben zu müssen, denn Wikipedia ist Gemeingut und die Autoren stellen der Menschheit ihre Werke kostenlos zur Verfügung. Auch die Bilder in diesem Artikel sind durch die gleiche Art der Lizenz frei verfügbar. Erfreuen Sie sich daran.
Nun der Sprung zu unserer Gemeinde. Wir besitzen einen reichen Fundus an Gemeingütern. Als prägnantestes fällt mir unsere kommunale Wasserversorgung ein. Wir betreiben, verbündet mit anderen Nachbargemeinden, ein eigenes Werk zur Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Klein, aber sehr fein. Ich bin froh darüber, dass diese wichtige Lebensgrundlage, Wasser, nicht in den Händen von Firmen liegt, deren Ziel und Vorgabe es ist, die Lebens-Ressource Wasser dazu zu verwenden, einen maximalen Gewinn mit maximaler Ausbeute zu erzeugen.
Unser Wasserzweckverband Eichelberg ist darauf ausgerichtet, dem Allgemeinwohl zu dienen, er darf keine Gewinne erzielen. Die Gemeinden müssen damit keinen hohen Gewinn erwirtschaften, um Anleger oder Spekulanten zufrieden zu stellen. Sie können auf örtliche und finanzielle Gegebenheiten selbst reagieren und die Preise und das Produkt frei anpassen. Darüber entscheiden demokratisch legitimierte Organe. Wenn die Bürger auf Dauer denken, dass diese schlecht entscheiden, haben sie die Möglichkeit, darauf Einfluss zu nehmen. Die Entscheidungen sind transparent und nachvollziehbar.

Etwas Vergleichbares wird gerade vom Rhein-Neckar-Kreis unternommen. Hierbei handelt es sich nicht um eine Lebensgrundlage, sondern um etwas, dass mittlerweile eine Kulturgrundlage darstellt: Den Internetzugang. Es wurde das Breitbandprojekt gestartet. Dieses soll dazu führen, dass die Haushalte und Unternehmen flächendeckend mit einem schnellen Internetzugang versorgt werden.
Vielleicht sind Sie selbst davon betroffen oder kennen jemanden im Odenwald, der davon betroffen ist. Dann können Sie das Internet nicht mit hoher Geschwindigkeit nutzen, so dass Sie weder Filme gucken, noch telefonieren können. Ich weiß sogar von vielen Menschen, die gar keinen Internetanschluss bekommen können. Mich selbst betraf das auch. Als ich vor über 10 Jahren in Lobbach, im Kleinen Odenwald wohnte, gab es gar keinen Internetanschluss. Bevor ich nach Wilhelmsfeld kam, lebte ich im Eiterbachtal, wo die Geschwindigkeit meiner Verbindung so langsam war, dass ich damit nicht arbeiten konnte und dazu gezwungen war, mir von der Telekom für eine hohe Geldsumme eine eigene Leitung legen zu lassen.
Diese schlechte Versorgung liegt vielleicht daran, dass verschiedene Regionen kommerziell nicht interessant genug sind, um dort die entsprechende Infrastruktur zu schaffen. Das ist jedoch nicht akzeptabel. Die Bundesregierung beschloss bereits 2009 in ihrer Breitbandstrategie, dass Deutschland flächendeckend versorgt werden soll. Das ehemalige Staatsunternehmen, das das größte Telekommunikationsnetz in Deutschland betreibt, setzt dieses Ansinnen jedoch nicht um. Mittlerweile gibt es kleinere Unternehmen, die Insellösungen für Anwohner, zum Beispiel in Heiligkreuzsteinach, aufgebaut haben, die eine bessere Internetnutzung ermöglichen. Davon profitieren jedoch noch nicht alle. Auch hier in Wilhelmsfeld gibt es Verbesserungsbedarf.

Nun zum Thema Grund und Boden. In unserer Ortschaft verfügen wir über Gemeinde-Güter (Allmenden), die der Allgemeinheit gehören, also den Menschen, die hier leben. Sie sind das natürliche Erbe, das wir erhielten, und sollen und müssen eine Lebensgrundlage für weitere Generationen sein. Ich finde es äußerst problematisch, diese Grundlage des gemeinschaftlichen Wohlstandes in Form von Grundstücken in private Hände zu veräußern. Mir ist wohl bewusst, dass unsere Gemeinderäte diesen Verkäufen zugestimmt haben, um die Grundschule zu sanieren. Jedoch halte ich diesen Ausverkauf von Gemeingütern im großen Stil für einen sehr schlechten Plan.
Was wird dann am Ende bleiben? Sollen unsere Kinder und Kindeskinder zukünftig Eintritt bezahlen müssen, wenn sie in einem Park oder Wald spazieren gehen wollen? Oder sollen sie einfach zu Hause bleiben und sich am hoffentlich schnellen Internet erfreuen? Was wird sein, wenn das letzte Grundstück in private Hände verkauft wurde?
Ich denke, vordergründige Geldnot und Bedürftigkeit wird es für Kommunen immer geben, denn sie sind keine Wirtschaftsunternehmen, sondern soziale Gebilde des Zusammenlebens von Menschen. Daher fordere ich dazu auf, unser Handeln zu überdenken und danach auszurichten, was der Allgemeinheit langfristig nützt.

Malte Brammer